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Weißenseifener Hängekorb - Workshop


12. Oktober 2018

DER WEISSENSEIFENER HÄNGEKORB - eine Alternative

Am ersten Oktoberwochenende diesen Jahres trafen sich 14 Menschen, zum Teil mit Familien, um in der Werkstatt des wunderschönen Weidenzentrums Wurster Nordseeküste, unter der Anleitung von Manfred Süssen, gemeinsam den Weißenseifener Hängekorb für ihre Bienen zu binden.

Die meisten Teilnehmer reisten schon Donnerstagabend an. So konnten sie Manfreds Vortrag zum Weißenseifener Hängekorb hören. Diesen Vortrag hat er auch beim diesjährigen Mellifera Sommerforum „Die Bienen leben hoch“ gehalten.
Manfred berichtete von der Entstehungsgeschichte und der Weiterentwicklung der, von dem anthroposophischen Künstler Günther Mancke in den 80er / 90-er Jahren entwickelten Bienenbehausung und wie er diese Idee verbreitet hat.

Der Weißenseifener Hängekorb ist eine, aus einem Ober - und einem Unterkorb bestehende Bienenbehausung mit runden Rähmchen, in denen die Bienen im Naturwabenbau ihr Werk errichten können. Der Korb hängt idealerweise in 2 - 3 Meter Höhe und die Bienen fliegen durch den Einflugtrichter in ihre Höhle.

Am nächsten Morgen ging es ans Binden. Die Formen wurden verteilt, die Anfangsstiche erklärt und los ging es…. Zum Glück hatte Manfred Unterstützung von Hermann, der die vielen Fragen auch fachmännisch beantworten konnte und am ersten Tag mit Rat und Tat zur Hilfe stand.

Drei Tage haben wir gebunden, uns kennengelernt und ausgetauscht. Die Gruppe hatte viele schöne Momente, auch eine einstündige Führung durch das zwei Hektar große, wunderschön und mit viel Liebe gestaltete Gelände, mit Weidenlabyrinth, verborgenen Gängen, dem Raum der Stille, Zirkuswagen und einem Unterstand für die Bienen des Weidenzentrums, die von Imke betreut werden.
Am Freitagmorgen bekamen wir noch Besuch von Karl-Heinz und seiner Frau Wibke. Karl-Heinz stellt in seiner Werkstatt alle Holzteile für den Hängekorb her und wollte gerne einmal sehen, wie die Verarbeitung stattfindet.

Wir haben auch manchmal geflucht, wenn das Binderohr riss oder man wieder einen Schenkel der Form durch Unachtsamkeit am Korb festgenäht hatte, der wieder aufgetrennt werden musste.
Wir waren aber auch stolz, als die ersten Körbe fertig waren und der/die Flechter/in die Prüfung auf Stabilität (im wahrsten Sinne des Wortes) bestanden hatte.

Am Ende der drei Tage waren viele Körbe fertig. Einige von uns nahmen Strohbündel mit nach Hause, um die Körbe dort fertig zu binden.

Wir erlebten ein wunderschönes Wochenende, mitten im goldenem Oktober, mit liebevoll und aufwändig zubereiteter Bio-Vollwertverpflegung, mit lieben Menschen und bereichernden Begegnungen, mit einer Flasche Bier gegen den ganzen Staub und einem Glas Wein, denn irgendwann war dann ja auch Feierabend…. was aber den ein oder anderen nicht daran hinderte bis nach Mitternacht weiter zu arbeiten….

Am Ende waren wir uns alle einig: Wir haben an diesem Wochenende STROH ZU GOLD GESPONNEN, denn so eine Bienenbehausung, die in ihrer Form einerseits dem menschlichem Haupt, andererseits der Himmelswölbung nachempfunden ist, und eher an ein Kunstwerk als an eine Bienenbehausung erinnert, ist wirklich ein wahrer SCHATZ und damit das Beste, was wir unseren Bienen angedeihen lassen können.

Das Material Roggenstroh, das auch von Rudolf Steiner, Matthias Thun und anderen „alten“ Imkern als optimal geeignet für eine Bienenbehausung angesehen wird, ist, nach neusten Aussagen von führenden Bienenwissenschaftlern, das am besten geeignete Material für den Wärmehaushalt und die Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung im Bienenvolk. Die halbrunden Rähmchen im Mobilbau eignen sich hervorragend zur extensiven Bienenhaltung.
Es ist eine Freude wenn der Korb im Bienenstand hängt, besiedelt ist und die Bienen sich gut darin entwickeln.

Für mich persönlich ist es der zweite selbstgenähte Weißenseifener Hängekorb. Der erste ist seit letztem Jahr besiedelt und ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal den Honigraum, der noch aus der Werkstatt in Weißenseifen stammt, aufgesetzt und wunderbar leckeren Waldhonig geerntet.

Mittlerweile habe ich drei dieser Körbe. Einen nehme ich immer gerne mit zu meinen Informationsveranstaltungen über wesensgemäße Bienenhaltung, verkörpert der Hängekorb in meinen Augen doch eine Bienenbehausung, die ich mir gelungener kaum vorstellen kann.
Ich nehme ihn auch mit in meinen Kurs, den ich für DE IMMEN über den Ausbildungsverbund von Mellifera anbiete, und habe mich sehr gefreut, dass gleich drei meiner Teilnehmerinnen aus dem diesjährigen Kurs sich ebenfalls zu dem Korbbinde - Workshop angemeldet hatten.

Seit letztem Jahr habe ich eigene Formen und seit diesem Jahr auch ein durchgesägtes Kuhhorn, das traditionelle Werkzeug für die Strohbündelung.

Es wird nicht mein letzter selbstgeflochtener Hängekorb gewesen sein und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Workshop….

Mein Dank gilt Manfred für sein Vorhaben, den Weißenseifener in die Welt hinaus zu tragen (worin ich ihn gerne unterstütze), Claudia und Susanne vom Weidenzentrum für die wunderschöne Beherbergung während der drei Tage und allen Teilnehmern, die dieses Wochenende mit ihrer Kraft und durch ihr Tun belebt haben!

Barbara Leineweber
Demeter Imkerin
Koordination von De Immen NRW und der wesensgemäßen Demeter-Imkergruppe NRW

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